24.10.2015

Kickers (Stuttgart) - Kickers (Würzburg)1:2

Woran man eine Krise erkennt.
Ein kleiner Leitfaden.

1.
Es ist noch gar nicht solange her, da wurde einem allenthalben anerkennend auf die Schulter geklopft, wenn man sich zu den blauen Kickers aus Stuttgart bekannte. Gut, es gab DAVOR eine deutlich längere Periode, in der man nach so einem offenherzigen Bekenntnis eher weniger ernst genommen wurde. Und, zugegeben, dieser Zeitraum war deutlich länger und anhaltender als der als so positiv in Erinnerung gebliebene .... aber, umso mehr konnte man den kurzen Abschnitt der Anerkennung genießen, auch weil gleichzeitig unsere Freunde von der anderen Neckarseite sich seinerzeit nicht mit allzu viel Ruhm bekleckerten. Mit so wenig Ruhm, dass ein Stapel offensichtlich fachkundiger Schreiberlinge gar das blaue Modell als vorbildhaft und nachahmenswert empfanden und dies im gleichen Atemzug dem so Erfolglosen ans Herz legten. Was für Zeiten.
Nun, zwar bekleckern sich die Roten aus Cannstatt zwar immer noch nicht mit Ruhm, aber das blaue Modell wird ihnen derzeit keiner mehr unter die Nase reiben. Warum nur?

2.
Da helfe ich meiner lieblichen und überaus umgänglichen Tochter bei ihrem Umzug in neue Gefilde und muss daher auf ein denkwürdiges Derby verzichten ...
Was wäre, sagen wir mal, vor exakt 12 Monaten passiert? Man hätte mich bedauert und der, im Übrigen ebenso umgänglichen Großmutter der Enkelin, sprich meiner Tochter, aufs Herzlichste auf die Schulter geklopft.
Inzwischen muss sich der liebevolle besorgte Vater und Bilderbuchsohn rüden Anfeindungen und bösen Beschuldigungen über sein verurteilungswürdiges Verhalten aussetzen.
"Wie kann man nur so mit seiner Mutter umgehen?"
"Das hat die Frau nicht verdient,"


3.
Nochmal die Tochter, man erinnere sich, die umgängliche und liebliche ...

Ich:
"Mal so nebenbei: hast Du nicht Lust mit ins Stadion zu gehen?"
Sie: Warum?"
Ich: "Äh ... (aufgrund fehlender griffiger Argumente kurze Ratlosigkeit bei mir) - möchtest Du dann wenigstens einen meiner Kickersschals mit nach Freiburg nehmen?"
Sie: "Warum?"
Ich: "Na, weil er vielleicht Deine noch nackten Wände schmücken könnte ..."
Sie: "Papa, ich will Freunde finden ..."

Soviel dazu. Ich befürchte, das wird die nächste Zeit nicht besser, nach dem hilflosen Auftritt gestern gegen eigentlich biedere Würzburger. Ich übernehme mal kurz die Analyse eines ausgesprochenen Fachmanns:
"Zwei gegen 11", da kannst Du nicht gewinnen."
"Zwei?""
"Na, Torwart haben wir und einen Stürmer, allerdings keine Innenverteidigung, keine Außenverteidiger, der Flügel wird verschenkt. und Mittelfeld ist nicht vorhanden."
Dabei habe z.B. ich noch vor dem Spiel angemerkt, dass es Zeiten gegeben hatte, da wären wir froh gewesen unsere Ersatzbank auf dem Feld zu sehen ... allerdings standen wir da auch auf einem Abstiegsplatz und nicht zwei Punkte darüber. Was sich bald ändern wird, wie der Fachmann weiter ausführte.. Denn
"demnächst stehen wir wieder auf einem Abstiegsplatz."

Ach, sch ... wo sind die goldigen Zeiten hin.

Da tröstet auch kein Sarkasmus, wie der dieses unerschrockenen Stadiongänger auf dem Weg zum Parkplatz:
Passant: "Und wie haben die Kickers gespielt?"
Er:
"Gewonnen."

Ich bin dann mal weg ...von der Heimpleite gegen Mainz wird es keinen Bericht geben, mein Töchterchen, ihr wisst schon, die umgängliche, liebvolle feiert Geburtstag. Das hat Vorrang. Muss nur noch überlegen, was ich ihr Schönes schenke. Auf jeden Fall keinen Kickersschal. Ich will ja nicht daran schuld sein, dass sie keine Freunde findet.