26.04.2014

Kickers - Münster 1:1
Ohne Blue Angst ist es nicht dasselbe

Es gibt ja den Begriff der "German Angst", mit dem im angelsächsischen Sprachraum einige scheinbar kollektive und charakteristische Eigenschaften der Deutschen bezeichnet werden. Ich bin nun kein ausgesprochener Fachmann für den angelsächsischen Sprachraum, wenn man von einige Destillationsprodukten mal absieht, viel spannender für diese Kolumne ist auch der weitaus weniger weitverbreitete und auch, weil soeben erst von mir entwickelte, allgemein noch wenig bekannte, aber nichtsdestotrotz mindestens ebenso treffende Begriff der "Blue Angst" - die charakteristische kollektive Angststörung des blauen Publikums. Kennt Ihr ja sicher: Egal, wie es steht, egal, wie überlegen wir sind ... stets spuken Restzweifel durch die äußere Hirnrinde und eigentlich hat man bei eigener Führung mehr Angst, noch zu verlieren, als wenn man 0-1 hinten liegt. Gut, dieses Phänomen habe ich irgendwann sicher schon mal durchgekaut, wer denn betreffenden Bericht abrufbar hat, bitte bis einschließlich 31.4. melden ... es gibt eine Belohnung.
Nun, aufgrund der frühzeitig bereits erreichten blauen Saisonziele, ging es, wenn man ehrlich ist, beim Spiel gegen die Preußen aus Münster (das übrigens - ob fachkundig oder nicht, ich kenne nur den Münsteraner Tatort und Münsterkäse, aber der kommt aus dem Elsass -
"Völlig für den Arsch ist, da geht ja rein gar nichts, kannste vergessen." - nur mal so nebenbei) um relativ bis weitaus oder noch weniger. Hat ja was, das letzte Mal, als ich vor, während und nach dem Spiel ähnlich entspannt war, ist schon eine Weile her, war gegen Bayern II, letztes Saisonspiel in der Aufstiegssaison. Und es muss nicht zwingend jede Saison ein Darmstadt-Finale sein, so belastbar ist man nicht immer - und kostet unterm Strich aufgrund der maximalen nervlichen Belastung sicher auch jedes Mal wertvolle Lebenszeit. Also hat das kollektive Ausbleiben der "Blue Angst" durchaus positive Aspekte, das Problem ist nur: Man ist das eben nicht gewohnt, so ganz ohne Angst, Furcht und latentem Herzkasper ... heißt: Ohne die typische Degerlocher Angststörung ist es einfach nicht dasselbe. Ein bisschen arg friedlich und harmlos allenthalben, was sich übrigens auch auf von der Tribüne auf den Platz übertragen hat und wieder zurück und wieder dorthin zurück und so weiter und hin und her. Sprich: Meine Körperspannung und die von unserem allseits geschätzten Enzo z.B. war durchaus vergleichbar, also weitestgehend Murkskäse - zumindest bis zum Foul am "Das ist ein Alibifußballer, der spielt generell nur zurück, schon aufgefallen? Faszinierend, wie der sich aus dem Spiel raushalten kann ..." - Baumgärtel. Da ging mal vorübergehend unser Blutdruck in gemeinsame Höhen, mit dem Ergebnis, dass wir die nächste Zeit noch etwas gemeinsam haben werden. Wir werden die nächsten Spiele von außen beobachten.

Soweit, so gut. Also, was tun, wenn man hypotonisch auf der Tribüne vor sich hin fadisiert? Richtig. Man kann schon mal beginnen, Abschied zu nehmen, Abschied von der geliebten (und übrigens völlig ausreichenden) Haupttribüne, kann schon mal hier und da ein paar Tränchen vergießen und nebenbei überlegen, was wohl mit den ganzen schönen blauen Schalensitzen passieren wird. Man könnte sich vielleicht einige, so 6-9 oder 12 davon, unauffällig unter den Nagel reißen, um eine Waldau-Gedächtnis-Tribüne im heimischen Gärtchen (neben dem Fanzelt-Gedächtnis-Spiel-Tipi der Kinder) oder im Wohnzimmer zu errichten. Bald ist ja WM. Vip-Raum wäre dann die Küche ... Vielleicht nicht zwingend beziehungsfördernd solch ein Unternehmen, aber - ihr wisst ja, ganz ohne Adrenalin, ganz ohne Angst, da isses doch auch nichts ...

Kommen wir zu den: heutigen 'famous last words':
"Der einzige Trost in Reutlingen wird sein, dass in der Zeit wenigstens kein roter-Lampen-Ars... (äh "Hintern" meinte er) auf meinem Platz sitzt."

Na, wenigstens etwas.
Bis in zwei Wochen

Übrigens: 13er Schlüssel braucht man wohl ... für die Abmontage der Schalen Eurer zukünftigen eigenen Tribüne ...

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